Restaurant Myle Bern

Mexico City 2026

Ich nutze ein paar Tage Abstand vom Alltag, um neue Aromen, Ideen und Energie zu sammeln. Und: Es ist bereits mein zweites Mal in Mexiko-Stadt. Beim ersten Besuch habe ich mich sofort in diese Stadt verliebt – in ihre Wucht, ihre Wärme, ihre Produkte und dieses ständige Knistern zwischen Streetfood und Hochküche. Dieses Mal wollte ich tiefer gehen: nicht nur essen, sondern wirklich eintauchen. Märkte, Produzenten, Handwerk, grosse Restaurants und kleine Zufallsfunde.

Mit dabei: Daniel Meier – Freund seit über 15 Jahren, Berufsschullehrer, zu 200 Prozent foodbegeistert. Vor vielen Jahren haben wir gemeinsam die höhere Fachprüfung zum Chefkoch absolviert. Mit ihm kann ich problemlos den ganzen Tag über Essen reden, ohne dass es auch nur ansatzweise langweilig wird.

Tag 1 – Ankommen, Eintauchen, erstes Feuer

Tag 1 – Ankommen, Eintauchen, erstes Feuer

Nach der Landung um 6 Uhr morgens in Mexiko-Stadt – sechs Stunden Zeitverschiebung in den Knochen – fühlte es sich trotzdem an, als würden uns sofort alle Türen offenstehen. Im Four Seasons, einem wunderschönen Haus mit kolonialem Charme, warteten gleich vier Concierges auf uns: vorbereitet, ruhig, effizient. Reservierungen organisiert, Pläne ready – ein Start nach Mass.

 

Frühstück im Lardo: Der perfekte Einstieg

Frühstück im Lardo: Der perfekte Einstieg

Die erste Station führte uns ins Lardo, den angesagten Frühstücks-Hotspot der Stadt. Selbstgemachtes Brot, ein Croissant mit Feigenmarmelade, Rührei mit mexikanischen Kräutern – das Warten auf einen Tisch war es absolut wert. Danach schlenderten wir durchs Quartier und probierten im Filigrano ein Tuna-Tatar mit Muschel-Tomaten-Salsa.

Abend spontan im Voraz

Abend spontan im Voraz

Am Nachmittag planten wir die Woche, liessen Eindrücke sacken. Abends ging es spontan ins Voraz: scharfe Chicken Wings mit Mole, knusprige Churros mit Mohn und ein Salat mit getrocknetem Rindfleisch – fast wie Bündnerfleisch. Zufrieden, satt und mit einem sehr guten Gefühl endete der erste Tag.

Tag 2 – Nachhaltigkeit, Präzision und grosse Küche

Tag 2 – Nachhaltigkeit, Präzision und grosse Küche

Der Jetlag hatte mich fest im Griff. Um 5 Uhr morgens war ich wach, arbeitete drei Stunden, während in der Schweiz bereits Nachmittag war. Danach zog es mich wieder ins Lardo – wir hatten uns schon am ersten Tag verliebt. Frischer Orangensaft, Croque Madame aus dem Holzofen und ein klassischer mexikanischer Bohnen-Eintopf mit Ei und Frischkäse: einfach, ehrlich, sehr sättigend.

Kulinarische Entdeckung – Bib Gourmand in der Bibliothek

Kulinarische Entdeckung – Bib Gourmand in der Bibliothek

Am frühen Nachmittag besuchten wir Baldio. Den Besitzer kannte ich bereits vom letzten Jahr – kennengelernt in Kopenhagen an einem Nachhaltigkeits-Symposium. Umso schöner war das Wiedersehen.

Zero Food Waste, kompromisslos gedacht

Zero Food Waste, kompromisslos gedacht

Baldio lebt ein konsequentes Zero-Food-Waste-Konzept: kein Abfall, kein Plastik, kompromisslose Nachhaltigkeit. Wir sassen an der Bar mit direktem Blick in die Küche. Gegrilltes Gemüse mit grüner Mole, hervorragendes Brot mit Butter, Zucchini in einer braunen, süss-sauren Mole. Das Ciabatta war unglaublich fluffig. Danach folgten Fleisch mit Spinat und Jus, Forelle auf Salat, fermentierte Getränke und eine hausgemachte „Coca-Cola“. Geschmacklich stark – gleichzeitig spürte ich, dass dieses Konzept in Mexiko noch Erklärung braucht. Für mich persönlich dennoch extrem inspirierend.

Dinner im Pujol: Eine Maschine, die leise läuft

Dinner im Pujol: Eine Maschine, die leise läuft

Am Abend folgte ein echtes Highlight: Pujol. Eines der besten Restaurants Mexikos, mit über 20 Jahren Geschichte und zwei Sternen. 220 Gäste täglich, alles lief ruhig, präzise und fokussiert. Mais-Amuse-Bouche, Taco, Randen-Variationen, Mais-„Couscous“, Hummer-Ceviche, Maissuppe, Oktopus. Im Hauptgang Rind mit über 3000 Tage alter Mole und Fisch mit grüner Mole. Das Highlight war eine süss-saure Sauce mit gegrillten Bananen und Pinienkernen. Chapeau für diese Leistung.

Tag 3 – Märkte, Überfluss und Neugier

Tag 3 – Märkte, Überfluss und Neugier

Am dritten Tag folgten wir einem Tipp unserer Concierges: eine Markttour mit Guide. Mario, ein absoluter Marktprofi, begleitete uns.

Erste Station: Mercado de San Juan. Früchte, Gemüse, Fleisch. Ich probierte unbekannte Früchte – cremig, überraschend, spannend. Danach ging es weiter zur riesigen La Merced. Ohne Mario wären wir hoffnungslos verloren gewesen.

Der Hunger meldete sich schnell: Tacos, grüne Chorizo aus Toluca, Maisbrot – alles hervorragend. Wir bestaunten Fleischstände, Chilis und exotische Insekten. Nichts für mich, aber ein wichtiger Teil der Kultur. Zum Abschluss eine riesige Tostada mit Käse und Zucchiniblüten – eigentlich schon zu viel.

Später ins Gaba: Neugier siegt

Später ins Gaba: Neugier siegt

Am späten Nachmittag führte uns eine verschobene Reservation ins Gaba, ein junges Restaurant mit Fokus auf nachhaltige Produkte. Hunger? Eigentlich nicht. Neugier? 100 Prozent.
Agaven-Hibiskus-Limonade, mexikanischer Weisswein, Trauben mit Frischkäse und fermentierter Sauce, ein Salat mit Zucchiniblüten und Pinienkernen.

 

Das Highlight: ein gegrillter Amadai aus dem mexikanischen Pazifik. Knusprige Haut, saftiges, glasiges Fleisch – dazu Beurre blanc mit mexikanischen Kräutern. Begleitet von eingelegter Rande, Frischkäse, Weinbeeren und Kohlsalat. Zusätzlich ein Schweinekotelett mit gegrillter Ananas – wie ein Taco al Pastor ohne Taco. Sehr, sehr stark.

Abend im HAVRE 77: Klassik, die beruhigt

Abend im HAVRE 77: Klassik, die beruhigt

Am Abend dann HAVRE 77: französische Klassiker, perfekter Lachs, Steak au poivre und ein karamellisiertes Brioche. Manchmal ist genau das nach so einem Tag richtig: weniger Überraschung, mehr Komfort. Müde, satt und glücklich zurück ins Hotel.

TAG 4 – KAKTUS, MAIS, MOLE … UND EINE WICHTIGE ERINNERUNG

TAG 4 – KAKTUS, MAIS, MOLE … UND EINE WICHTIGE ERINNERUNG

Für den vierten Tag bekamen wir vom Concierge einen besonderen Tipp: eine Tour ausserhalb von Mexiko-Stadt mit einem Koch, der uns Kultur, Produkte und Handwerk näherbringen könne. Für uns war sofort klar: Ja. Das Hotel organisierte alles innerhalb kürzester Zeit.

So trafen wir Jorge – Koch, Unternehmer und perfekter Vermittler zwischen Tradition und Realität. Rund eineinhalb Stunden fuhren wir aus der Stadt hinaus.

Erster Halt: Bio-Kaktusfelder

Erster Halt: Bio-Kaktusfelder

Wir pflückten frische Kaktuspalmen, entfernten die Stacheln fachgerecht und bereiteten alles selbst zu. Direkt vor Ort über offenem Feuer gegrillt, sofort probiert. Geschmack grossartig – aber das Entscheidende war das Erlebnis: selbst pflücken, selbst verarbeiten, selbst garen. Alles dort, wo es wächst.

Übrigens, das ist kein Blut an meinen Händen, sondern eine zerquetschte Cochenille-Schildlaus – sie sieht aus wie kleine weisse, watteartige Punkte auf dem Kaktus und enthält die sogenannte Karminsäure. Dieser intensive Naturfarbstoff wurde schon von den Azteken genutzt, später von den Spaniern nach Europa gebracht und wird bis heute in Lebensmitteln, Kosmetik (z. B. Lippenstift) und Textilien verwendet.

Danach: eine Familie, die vom Mais lebt.

Danach: eine Familie, die vom Mais lebt.

Danach ging es weiter zu einer Familie, die vom Maisanbau lebt. In ihrem Zuhause durften wir miterleben, wie Mais gelagert, gereinigt und verarbeitet wird. Gemeinsam stellten wir den Teig her, kneteten ihn, formten und backten drei verschiedene farbige Tacos. Jeder von uns produzierte 15 bis 20 Stück, alles unter der fachkundigen Anleitung der Gastgeberin und ihrer Tochter.

Kein Workshop, kein Event, kein Marketing. Einfach echtes Leben. Bei ihnen zu Hause, in ihrem Umfeld. Für mich gibt es keinen besseren Weg, in eine Kultur einzutauchen, als wenn Einheimische einem ihre Welt öffnen – ehrlich, ungeschönt, mit Herzblut. Für solche Momente reise ich. Und für genau diese Emotionen lebe ich.

Don Luis und die Mole: 20–30 Zutaten, pure Wahrheit

Don Luis und die Mole: 20–30 Zutaten, pure Wahrheit

Am Nachmittag ging es weiter zu Don Luis, einem der bekanntesten Mole-Produzenten der Region. Er stellt rund 20 verschiedene Moles her, nach Rezepten seiner Mutter und Grossmutter. Mit ihm produzierten wir eine Mole von Grund auf: frittieren, mahlen, rösten, kochen, probieren. Rund 20 bis 30 Zutaten, alles nachvollziehbar erklärt.

 

Das Verständnis für Mole wurde an diesem Tag enorm vertieft. Ich kaufte zehn Kilo pulverisierte Mole-Basis für mein Restaurant – sorgfältig verpackt, voller Bedeutung. So können wir unseren Gästen zu Hause ein Stück echtes Mexiko servieren.

Nach der Rückfahrt ins Hotel waren wir emotional völlig überwältigt. Dankbar, erfüllt, fast sprachlos. Dieser Tag war tief, ehrlich und real. Kein Showprogramm, sondern echtes Handwerk und echte Menschen.

Abend im Migrante: Enttäuschung – und trotzdem lehrreich

Abend im Migrante: Enttäuschung – und trotzdem lehrreich

Am Abend hatten wir noch eine Reservation im Restaurant Migrante, einem aktuell viel besprochenen Lokal, kürzlich im Michelin Guide erwähnt. Das Konzept hatte uns interessiert, die Erwartungen waren entsprechend da.
Leider wurde der Abend zur Enttäuschung. Der Service war unaufmerksam, wir wurden mehrfach vergessen, die Atmosphäre blieb kühl. Das Essen wirkte sehr gekünstelt und gesucht, geschmacklich nicht stimmig, auch handwerklich fehlte die Präzision. Nach ein paar Vorspeisen entschieden wir uns, den Abend abzubrechen und ins Hotel zurückzukehren, wo wir noch eine Kleinigkeit assen.

 

Solche Abende gehören dazu. Es gibt Restaurants, die überraschen, begeistern und inspirieren – oft ganz unerwartet. Und es gibt auch jene, die zeigen, wie anspruchsvoll Gastronomie auf hohem Niveau wirklich ist. Servicequalität, Produktqualität, Timing, Atmosphäre – und vor allem das Gefühl, als Gast willkommen zu sein – müssen zusammenspielen.
Auch aus Enttäuschungen lerne ich viel. Sie schärfen den Blick dafür, was ich selbst in meinem Restaurant nicht möchte und worauf ich besonderen Wert lege: dass sich Gäste gesehen, ernst genommen und wohlfühlen. In diesem Sinn war auch dieser Abend lehrreich.
Ein intensiver, emotionaler Tag ging zu Ende. Einer, der bleibt.

Tag 5 – Jetlag, Routine und ein kulinarischer Höhepunkt

Tag 5 – Jetlag, Routine und ein kulinarischer Höhepunkt

Tag fünf in Mexiko. Wir sind immer noch völlig begeistert – nur der Jetlag will einfach nicht verschwinden. Ich wache weiterhin jeden Morgen sehr früh auf und habe mich inzwischen entschieden, es einfach zu akzeptieren. So wird es zu Hause vermutlich etwas einfacher, wieder in den Rhythmus zu kommen. Ausserdem geht es ja bald wieder zurück.

Nach gefühlt vier Stunden E-Mails ein kurzer Abstecher zum Frühstück ins Lardo. Ein sicherer Wert. Wir fühlen uns dort willkommen, wissen genau, was wir möchten, und für ein kleines Morgenessen macht es einfach Spass.

QUINTONIL: Das stärkste Erlebnis der Reise

QUINTONIL: Das stärkste Erlebnis der Reise

Der eigentliche Höhepunkt dieses Tages – und vielleicht der ganzen Reise – stand jedoch noch bevor: unsere Reservation im Quintonil. Bei allen Reservierungen war ich dieses Mal sehr spät dran. Pujol und Quintonil habe ich erst etwa eine Woche vor der Abreise gebucht. Entsprechend gross war das Glück, überhaupt einen Tisch zu bekommen.

Ich habe dem Küchenchef direkt geschrieben, und durch eine kurzfristige Annullation konnten wir tatsächlich noch zwei Plätze ergattern. Schon die Begrüssung, der Empfang und das gesamte Format des Restaurants haben uns sofort begeistert: hochprofessionell, ruhig, herzlich. Ein unglaublich starkes Team, insbesondere das Sommelier-Team – sensationell.

Wir entschieden uns bewusst für Plätze an der Bar, mit direktem Blick in die Küche. Besser geht es kaum. Der Abend startete mit einer Champagnerempfehlung – und ich habe mich sofort verliebt. So sehr, dass ich noch am selben Abend in der Schweiz abgeklärt habe, wo ich diesen Champagner beziehen kann. Ein perfekter Auftakt.

Dann folgte ein kulinarisches Feuerwerk. Jeder Gang sass. Kürbis in verschiedensten Interpretationen, kleine Tartlettes mit intensiven Saucen, feine Cracker, eine Sauce mit Beignet, die geschmacklich an ein gebackenes Schenkeli erinnerte – fast wie aus der Fasnachtszeit in Luzern. Kürbis mit Nussbutter, präzise und tief.

 

Im Hauptgang ein perfekt gegartes Ribeye, dazu Lobster mit Reis, fast wie ein leichter Risotto interpretiert – sensationell. Was mich jedoch am meisten begeistert hat, war ein geräucherter, grillierter Saibling mit einer unglaublich schlotzigen Sauce aus Pilzen und Tomaten. Perfekt abgeschmeckt, der Fisch auf den Punkt gegart, die Textur makellos. Dazu ein Kaktus-Sorbet – mutig, stimmig, grossartig.

Ein weiterer Gang: Polenta respektive ein Maisschaum mit geschmortem Fleisch, geschmacklich tief, rustikal angerichtet, aber extrem präzise. Danach die Wahl zwischen Ente oder Rind – beides auf sehr hohem Niveau.

 

Zum Dessert dann etwas, das ich mir selbst nie so ausgedacht hätte – und gerade deshalb faszinierend fand: ein Sauerrahmglace mit Chlorophyll und einer grosszügigen Nocke Kaviar. Unerwartet, ungewohnt, aber zum Essen schlicht sensationell. Es hat unglaublich Spass gemacht.

Der Service war durchgehend hervorragend, das Sommelier-Team aufmerksam und fachlich extrem stark. Als kleines Highlight am Rand lernten wir sogar einen Schweizer kennen, der gerade ein Stage über die Caminada-Ucelin-Stiftungin diesem Restaurant absolvierte. Lustigerweise hatte ich ihn etwa ein Jahr zuvor in Zürich kennengelernt, als ich im THE Counter essen war – die Welt ist klein.

 

Quintonil war für mich das stärkste kulinarische Erlebnis dieser Reise. Es konnte Pujol in der reinen Qualität der Küche sogar übertreffen. Für mich ist dieses Restaurant ein klarer Anwärter auf drei Sterne. Die Restaurantqualität überzeugt auf allen Ebenen: Küche, Service, Team, Atmosphäre.
Ein Erlebnis, das bleibt.

Nach Quintonil war eigentlich klar: Kulinarisch geht an diesem Tag nichts mehr darüber. Der Höhepunkt lag hinter uns. Nach ein paar Gläsern Champagner waren wir bestens gelaunt, fast ein wenig benommen vor Zufriedenheit. Zurück im Hotel legten wir eine Pause ein, ich arbeitete noch etwas und liess den Mittag gedanklich immer wieder Revue passieren.

Abend im Fogas

Abend im Fogas

Am Abend entschieden wir uns dennoch für ein kleines, unkompliziertes Essen im Fugaz. Eine Empfehlung von Bekannten, eine Weinbar mit einfachen Gerichten. Und genau das war es auch: einfach. Solide, ehrlich, nichts falsch gemacht – aber nach einem Mittagessen auf diesem Niveau eigentlich zu viel des Guten.

 

Rückblickend hätten wir wohl besser gar nichts mehr gegessen. Nach einem solchen kulinarischen Höhepunkt kann weder Wein noch Essen wirklich mithalten. Obwohl alles in Ordnung war, fiel es automatisch ab. Wir probierten ein paar interessante Kombinationen, nichts, was besonders hängen blieb. Der Wein von Franck Collison aus Sizilien hatte auffallend viel Kohlensäure – möglicherweise zu warm serviert oder nicht optimal gelagert.

Am Ende war aber alles egal. Der Tag war längst entschieden. Quintonil hatte diesen fünften Tag geprägt, getragen und abgeschlossen. Zufrieden, satt und sehr glücklich gingen wir zurück ins Hotel und fielen ins Bett – mit dem Gefühl, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben.

 

Tag 6 – Nach dem Early-Morning-Workout, Lunch bei Masala y Maíz

Tag 6 – Nach dem Early-Morning-Workout, Lunch bei Masala y Maíz

Erst Büro, Calls und das Koordinieren der Geschäfte in der Schweiz – und wenn das erledigt ist, darf das Vergnügen beginnen: essen, schmecken, Mexico City erkunden.

Masala y Maíz – einem der aktuell spannendsten Restaurants der Stadt, das indische und mexikanische Küche auf sehr natürliche Weise zusammenführt.

Zum Apéro ein Glas Sparkling Chenin Blanc und Erdnüsse, langsam in einer würzigen Sauce gekocht. Warm, salzig, leicht cremig – ein unerwarteter, aber sehr stimmiger Auftakt, der sofort Lust auf mehr macht.

Danach ein Samosa mit Koriander und Limette. Aussen knusprig, innen saftig, klar gewürzt. Die frische Säure hält das Gericht leicht und lebendig, fast wie ein indischer Taco: unkompliziert, aber mit Tiefe. Der Sparkling Chenin Blanc begleitet das ruhig und präzise.

 

Es folgt ein Ceviche mit Limette, einer sauren indischen Sauce und gegrilltem Papadam. Frisch und kühl, mit feiner Säure, dazu das warme, leicht rauchige Papadam für Textur. Sehr ausgewogen und angenehm zu essen.

Die Crevetten kommen gegrillt, saftig, deutlich sauer und würzig. Das Servicepersonal fordert explizit dazu auf, die Crevetten vollständig abzulecken, um die Grillaromen wirklich aufzunehmen. Direkt, sinnlich und sehr befriedigend. Leider sind die grossen Crevetten leicht mehlig – ein Punkt, der mich daran erinnert, warum ich persönlich Scampi bevorzuge: Dort passiert das einfach nie.

Zum Dessert ein Tamal, eine Art gedämpfte Polenta mit Schokolade. Erdige Süsse, interessante Textur, aber sehr mastig. Nach diesem Mittagessen eindeutig zu viel – der Körper meldet sich und verlangt nach einer Pause.

 

Die Stimmung & Fazit

Die Stimmung & Fazit

Rappelvoll, rund 150 Gäste pro Service. Die Musik ist sehr laut, Gespräche mit dem Service sind schwierig. Gleichzeitig entsteht genau daraus eine besondere Energie: Es fühlt sich eher wie ein Club an als wie ein klassisches Restaurant – und das um 13 Uhr mittags. Reservierungen sind Wochen im Voraus nötig, spontane Besuche kaum möglich. Glück hilft, oder der richtige Draht. Das Essen ist gut, handwerklich sauber und mit einem Stern ausgezeichnet, aber ohne grosse Raffinesse. Es ist sehr gutes, geschmacklich klares Streetfood mit starken Aromen und nachvollziehbaren Ideen. Man kommt weniger wegen filigraner Küche, sondern wegen der Atmosphäre, der Energie und des Gesamterlebnisses.

Fazit: Mexiko City ist mehr als ein Trend – es ist eine kulinarische Realität

Fazit: Mexiko City ist mehr als ein Trend – es ist eine kulinarische Realität

Danach geht es ins Hotel und direkt zum Flughafen. Mexiko City hat mich nicht einfach begeistert – sie hat mich gefordert, inspiriert und in gewissen Momenten sogar demütig gemacht. Diese Stadt ist laut, riesig, komplex – und gleichzeitig unglaublich präzise, wenn es um Produkt, Handwerk und Identität geht.

Was hier passiert, ist kein kurzfristiger Hype. In Restaurants wie Pujol oder Quintonil sieht man eine Küche, die ihre Wurzeln kennt und trotzdem mutig nach vorne denkt. Nachhaltigkeit wird im Baldío kompromisslos gelebt. Im Masala y Maíz verschmelzen Kulturen selbstverständlich. Und auf Märkten wie dem Mercado de San Juan oder La Merced Markt versteht man, woher diese Kraft wirklich kommt: vom Produkt, von der Vielfalt, von den Menschen.

 

 

Mexiko City kocht nicht für Instagram. Diese Küche kocht aus Geschichte, Notwendigkeit und Stolz. Mais, Mole, Chili, Kaktus – das sind keine Trends, das ist Identität.

Für mich persönlich war diese Reise eine Erinnerung daran, worauf es wirklich ankommt: echtes Handwerk, ehrlicher Geschmack, starke Teams und eine klare Haltung. Und vielleicht ist genau das die grösste Stärke dieser Stadt – sie weiss, wer sie ist.

Mexiko City ist kein Ort, den man einfach besucht.
Man taucht ein – und nimmt ein Stück davon mit nach Hause.