São Paulo 2025
Am Dienstagabend fliege ich mit der Swiss direkt nach São Paulo. Der Flug ist perfekt getaktet: Abflug kurz vor Mitternacht, Ankunft um 6 Uhr morgens. Da ich der Schweizer Zeit nun fünf Stunden hinterherhinke, kann ich den ersten Tag voll auskosten – und gleich richtig in die Stadt eintauchen.
Der Morgenverkehr ist heftig – fast zwei Stunden bis zum Hotel –, aber mein Fahrer hat Kaffee dabei, und ich nutze die Zeit, um meine Mails zu beantworten. Mein Zuhause für die nächsten Tage ist das Rosewood São Paulo: ein geschichtsträchtiges, wunderschön eingerichtetes Hotel mit viel Charme. Das Team ist herzlich und hilfsbereit; bereits im Vorfeld hatte ich regen Kontakt mit dem Concierge, der mir bei Restaurantbuchungen und Tipps zur Stadt sehr geholfen hat.
Erster Eindruck – Stadt, Stil und Sicherheit
Nach dem Einchecken zieht es mich sofort los – zu einem angesagten Brunchrestaurant, rund 30 Gehminuten vom Hotel entfernt. In São Paulo sollte man zwar vorsichtig sein, aber wer keinen Schmuck, keine Kamera und das Handy unauffällig trägt, kann sich sicher fühlen. Es gibt viel Polizei, und die Atmosphäre ist überraschend angenehm.
Brunch im Bokakafé – ein Volltreffer
Mein erster Restaurantbesuch ist gleich ein Highlight: das Botanikafé. Supertrendy, urban, mit Top-Essen – und, für mich ganz wichtig: ein grossartiger Cappuccino!
Ich bestelle geröstetes Sauerteigbrot mit Frischkäse, mortadellaähnlichem Schinken, Pistazien und Pesto. Ein Traum – unglaublich gut! Ich bin begeistert und beginne, tiefer in die kulinarische Szene der Stadt einzutauchen.
Eine Stunde später laufe ich zurück ins Hotel und treffe Priska und Oli, die mich auf dieser Reise begleiten – mit Kamera im Gepäck. Gemeinsam sitzen wir auf der Rooftop-Terrasse des Rosewood, einer kleinen Oase mitten in der 11,9-Millionen-Stadt. Wir geniessen den Moment, tauschen Ideen aus und schmieden Pläne für die kommenden Tage. Ich gebe zu, dass ich mich auf diese Reise nur grob vorbereitet habe – jetzt heisst es Gas geben, um all das zu entdecken, zu probieren und zu erleben, was São Paulo kulinarisch ausmacht.
Kulinarische Entdeckung – Bib Gourmand in der Bibliothek
Am Nachmittag werfe ich einen Blick in den Guide Michelin und finde ein interessantes Bib-Gourmand-Restaurant, das sich in einer Bibliothek befindet – unser nächstes Ziel. Nach einem 40-minütigen Spaziergang kommen wir im Cuia an und bestellen gleich mehrere Gerichte:
Ein Ceviche vom Tagesfisch, frittierte Kugeln mit geschmorter Schweinerippe und Guavenmarmelade, dazu ein sensationelles Bohnen-Mais-Cassoulet mit geröstetem Griess – knusprig, aromatisch, begleitet von einer feinen Tucupi-Sauce mit Chili und Gemüse.
Der Fisch war solide und die Beilagen ein Gedicht!
Das Restaurant ist geschmückt mit seltenen Kochbüchern aus aller Welt – einige davon habe ich auch zu Hause im Regal. Zum Trinken bestelle ich Goldpflaumensaft. Der erste Schluck war überraschend – sehr sauer, fruchtig, ganz anders als erwartet. Ich hatte eher an Orangensaft gedacht. Ausgetrunken habe ich ihn nicht, aber ich würde ihm definitiv eine zweite Chance geben – die Empfehlung kam schliesslich vom Service. Zum Abschluss teilen wir uns hausgemachte Orecchiette mit Pilzen – fein und elegant.
São Paulo – das „New York Südamerikas“
In São Paulo ist italienische Küche stark im Trend – unzählige grossartige Italiener, aber auch viele asiatische Restaurants prägen das Stadtbild. Nicht umsonst sagt man: „São Paulo ist das New York Südamerikas.“
TUJU – Fine Dining auf brasilianisch
Nach einem späten Mittagessen komme ich gegen 18 Uhr zurück ins Hotel, dusche kurz und bin um 19 Uhr bereits wieder unterwegs – dieses Mal ins TUJU, eines der besten Restaurants von São Paulo.
Der Chef und Besitzer, Ivan Ralston, führt das Restaurant gemeinsam mit seiner Frau, die den Betrieb managt. Schon beim Eintreten spürt man: Hier steckt Leidenschaft und Perfektion in jedem Detail. Das TUJU erstreckt sich über mehrere Etagen, ist modern und elegant gestaltet – und selbst die Türen zu den Mitarbeiterräumen sind mit Gesichtsscannernausgestattet. So etwas habe ich in der Gastronomie noch nie gesehen.
Aperitif und erster Eindruck
Ich nehme an der Bar Platz und bestelle mir als Aperitif ein Glas brasilianischen Schaumwein von der Familie Geisse. Ich hatte schon gehört, dass Brasilien hervorragende Schaumweine hervorbringt, aber noch nie einen probiert. Der Geisse Brut 2010, nach Champagnermethode hergestellt, überrascht mich positiv – feinperlig, elegant und mit schöner Reife. Ein perfekter Start in den Abend. Die Amuse-Bouches, die kurz darauf serviert werden, zeigen bereits, dass hier auf höchstem Niveau gearbeitet wird: handwerklich präzise, detailverliebt, geschmacklich solide – noch nicht umwerfend, aber ein vielversprechender Auftakt.
In der offenen Küche – Präzision und Ruhe
Der charmante Maître Pedro führt mich anschliessend in den ersten Stock, wo sich die offene, topmoderne Küche befindet – rundherum elegant gedeckte Tische. Ich bin der erste Gast des Abends, und es ist etwas kühl im Raum. Wie ich später merke, mögen die Brasilianer ihre Restaurants generell frischer temperiert als wir Schweizer – selten über 20 °C.
Kurz darauf stellt sich der Chef persönlich vor. Er erzählt mir, dass er vor zwei Wochen für einen Event im Tessin war – und sich dort in die Landschaft verliebt hat. Kein Wunder: ein kompletter Kontrast zur gigantischen Metropole São Paulo.
Das Menü – ein Feuerwerk an Präzision
Das Menü wird erst am zweiten Tag nach dem Besuch zugeschickt, doch einige Highlights bleiben sofort im Gedächtnis. Besonders die auf Holzkohle gegrillte Languste, nur lauwarm bei etwa 30 °C serviert – unglaublich in Textur und Geschmack, begleitet von einer fein gebundenen, nussigen Sauce.
Ebenso beeindruckend: die Ente, perfekt gegart, und das erste Dessert – eine luftige Käse-Sabayon mit Maulbeeren und Amazonasbeeren.
Was mich besonders fasziniert: Die Küche arbeitet ruhig, hochkonzentriert und nahezu lautlos – alle mit Funk-Headsets ausgerüstet, genau wie bei uns in der Steinhalle. Auffällig: Das Küchenteam besteht fast ausschliesslich aus Frauen. Für maximal 35 Gäste sind hier rund 50 Mitarbeitende beschäftigt, davon 30 Köchinnen und Köche – ein Verhältnis, das ich so noch nie erlebt habe.
Service, Stimmung und Fazit
Der Service ist professionell und freundlich, doch im gesamten Ablauf spürt man eine gewisse Distanz – vielleicht typisch brasilianisch. Von den rund 20 Servicekräften sprechen nur drei gut Englisch, was den Abend charmant, aber manchmal auch etwas holprig macht.
Zum Digestif und Espresso geht es schliesslich noch in den zweiten Stock, doch die Müdigkeit holt mich ein. Kurz nach Mitternacht bin ich zurück im Hotel.
Fazit:
Ein Restaurant mit Wow-Effekt, perfekter Organisation und hochpräziser Küche. Das Personal ist zahlreich und professionell, das Tempo stimmt – doch es fehlt ein wenig an Wärme und echter Gastgeberkultur. Ein grossartiges kulinarisches Erlebnis – nur emotional etwas kühl.
Ein Tag voller Geschmacksexplosionen – São Paulo, du hast mich!
Schon beim Betreten des Mercado Municipal von São Paulo war klar: Hier pulsiert das Herz der Stadt. Eine riesige, alte Markthalle, gefüllt mit Farben, Düften und Stimmen. Kaum drinnen, halte ich schon eine Frucht in der Hand, die ich noch nie gesehen habe. Süss, sauer, floral, wild! Der Verkäufer lacht, schneidet mir gleich fünf weitere Früchte auf – kleine Amazonasbeeren, Cupuacu eine Kakao ähnlich Frucht, grüne Maracujas mit einem Geschmack zwischen Blüte und Säure. Es ist wie eine Expedition durch den Urwald – nur dass man ihn essen kann.
Dann weiter zu den Fischen: ein Meer aus Formen und Farben – getrocknet, gesalzen, frisch. Bacalhau überall, das scheint hier Kult zu sein, aber das ist nicht meins. Dazwischen Käse, Bohnen, Gewürze – ein sinnlicher Overload, aber einer, den man liebt. Trotz der vielen Touristen fühlt man sich sicher – überall Polizei, entspannte Stimmung.
Zurück im Hotel wartet schon die nächste Überraschung: eine Präsentation seltener Amazonasfrüchte, kunstvoll arrangiert, jede mit einer kleinen Beschreibung. Ich kann nicht anders, ich muss probieren – es ist, als würde man jeden Tag ein neues Kapitel der Natur entdecken.
Am Abend geht’s in die Beverino Naturweinbar – klein, unscheinbar, fast leer. Doch dann kommt Magie ins Spiel: ein brasilianischer Besitzer, der in Japan lebte, ein echter Freak, wenn es um Naturwein geht. Wir bestellen Schaumwein von einem brasilianischen Paar, das in Frankreich produziert – spannend, unkonventionell, aber ehrlich gesagt: das Essen war der Star. Kleine, präzise Gerichte, frisch, mutig, überraschend gut.
Der Abend endet im Goya Zushi, einer der heissesten Tipps der Stadt. 15 Gänge, japanische Technik trifft Amazonas-Charakter. Kein Tokio-Niveau, aber jede Menge Herzblut. Man spürt: Der Koch will gross raus – ehrgeizig, fokussiert, hungrig. Und genau das schmeckt man.
Nach diesem Tag voller Aromen, Eindrücke und Emotionen falle ich müde, aber glücklich ins Bett. Der Jetlag sitzt noch in den Knochen – in der Schweiz wäre es jetzt schon fünf Uhr morgens.
São Paulo – du bist roh, bunt, überraschend. Und ich will mehr.
São Paulo – Genuss, Höhenflüge und ein Hauch Enttäuschung
Der Tag startet wunderbar – Frühstück im Hotel. Der Cappuccino: perfekt, cremig, kräftig. Damit bin ich glücklich. Dazu eine Açaí Bowl, diese tiefviolette Amazonasfrucht, die wir zwar auch in Europa kennen, hier aber einfach frischer, wilder, intensiver schmeckt. Ein idealer Start in den Tag.
Überall begegnet mir dieses Käsebrot, das wie ein kleiner Beignet daherkommt – aussen knusprig und gefüllt mit geschmolzenem Käse. In Restaurants, Hotels, sogar auf der Strasse. Ich weiss noch nicht, wie es heisst, aber eines weiss ich: Es schmeckt!
Dann geht’s weiter zum Simpa Sky, einem Hochhaus mit Glasplattform über den Dächern von São Paulo. Zum ersten Mal begreift man, wie gigantisch diese Stadt wirklich ist – zwölf Millionen Menschen im Zentrum, über zwanzig Millionen mit Agglomeration. Ein endloses Häusermeer, Hügel, Strassen – und überall Verkehr. Verkehr! Termine pünktlich zu schaffen, ist hier fast unmöglich. Man plant, und São Paulo lacht.
Mittags dann endlich im CEPA – eines der angesagtesten Restaurants der Stadt. Wochen im Voraus ausgebucht, beliebter als so manches Sternerestaurant. Das Ambiente? Locker, urban, lebendig. Genau mein Ding. Die offene Küche brodelt, Stimmen, Lachen, Musik – pure Energie. Der Service ist charmant, aufmerksam, fast familiär.
Und das Essen? Ein Feuerwerk.
Ein Ceviche mit Thunfisch und Aji-Amarillo-Mayonnaise – cremig, zitrisch, perfekt ausbalanciert. Dann gebackene Calaloni mit Zwiebeln, typisch brasilianisch. Spitzkohl in Weissweinsauce – erinnert mich sofort an unsere Beurre Blanc in der Steinhalle. Und das Highlight: geschmorte Rindbäckchen – butterzart, intensiv, ehrlich gesagt eines der besten, die ich je gegessen habe. Später eine Schale mit weissen Bohnen und Maggikraut in butteriger Sauce – Comfort Food deluxe auf höchstem Niveau.
Wir probieren brasilianische Schaumweine, einen Süsswein und zum Abschluss ein Glas Champagner. Euphorisch verlassen wir das Lokal – das war pure Lebensfreude, serviert auf Tellern und im Glas.
Am Abend dann das Evvai – zwei Michelinsterne, hohe Erwartungen. Die Präsentation? Atemberaubend. Jedes Gericht wie ein kleines Kunstwerk – präzise, durchdacht, bis ins Detail inszeniert. Doch geschmacklich bleibt vieles flach. Schön anzusehen, aber oft zu brav auf der Zunge.
Ein Gericht sticht jedoch heraus: Krabbenfleisch auf Eierstich mit Weissweinschaum, Zitrus, Chili und Kaviar aus Uruguay. Unfassbar gut – davon hätte ich sofort eine zweite Portion genommen. Der Rest: hübsch, technisch perfekt, doch ohne Seele.
Ich probiere weiter brasilianische Weine – einige solide, wenige grossartig, viele eher durchschnittlich. Doch immer wieder blitzt ein Highlight auf. Genau diese Momente suche ich – vielleicht findet eines dieser Weingüter irgendwann den Weg ins Myle Restaurant.
Am Ende bleibt ein gemischtes Gefühl: visuell ein Erlebnis, geschmacklich kein Feuerwerk. Doch der Tag war reich – an Eindrücken, Aromen und Emotionen.
São Paulo bleibt ein Abenteuer. Laut, unberechenbar, intensiv – und genau das macht diese Stadt so lebendig.
Ein Tag voller Geschmacksexplosionen – São Paulo, du hast mein Kochherz erobert!
Der Vormittag startet gemütlich: ein paar Mails beantworten, einige Telefonate führen – der tägliche Mail-Umbau bleibt ein Dauerbrenner. Nebenbei läuft die Koordination des Berner Sternenmarkts, der in die heisse Phase übergeht. Noch ein Monat bis zur Eröffnung – die Vorfreude steigt, und der Schreibtisch bleibt gut gefüllt. Doch ehrlich gesagt: Büroarbeit in einem charmanten Kaffee oder Hotel-Restaurant hat ihren ganz eigenen Zauber.
Der Local-Markt – ein Paradies der Aromen
Um 11 Uhr geht’s los – auf den Mercado Municipal in São Paulo. Wir waren schon einmal da, doch dieses Mal entdecke ich eine kleine Seitenstrasse, die mich in eine andere Welt katapultiert: ein Local-Markt, 200 mal 300 Meter pure Lebendigkeit – ohne Touristen, nur Einheimische, Stimmen, Farben, Düfte!
Was für eine Vielfalt! Chilis in allen Schärfegraden, Gemüse in leuchtenden Farben, Früchte, die nach Sonne schmecken. Ich habe noch nie so viele Sorten Süsskartoffeln gesehen – von hellgelb bis tiefviolett, alle in bester Qualität. Fleisch und Fisch? Frischer geht’s nicht. Es ist ein wahres Fest für alle Sinne!
Natürlich gilt: In São Paulo ist Vorsicht besser als Nachsicht. Die Locals raten uns, Handys lieber wegzupacken – und ja, das macht Sinn. Trotzdem: Die Menschen sind freundlich, hilfsbereit und aufmerksam. Sie sagen uns, wann man besser vorsichtig ist. Dieses Miteinander fühlt sich echt und herzlich an – brasilianisch eben.
Mittagessen im Tordesilhas – wo Brasilien auf den Teller kommt
Zum Mittag geht’s ins legendäre Tordesilhas, eines der ältesten brasilianischen Restaurants. Mara Salles, die Besitzerin, ist eine Institution – eine wahre Ikone der brasilianischen Küche.
Eine Stunde Wartezeit für einen Tisch? Kein Problem – wir schlendern durch das Quartier. Doch als es zur zweiten Stunde wird, knurrt der Magen lautstark. Genau in diesem Moment erscheint Mara persönlich – mit strahlendem Lächeln, einem Caipirinha in der Hand und einer Wärme, die sofort ansteckt. Plötzlich war die Wartezeit vergessen.
Diese Frau lebt Gastfreundschaft. Ihr Restaurant ist keine Bühne, sondern ein Zuhause für Menschen, die gutes Essen lieben.
Mara legt in ihrer Küche grossen Wert auf lokale Produkte, saisonale Zutaten, brasilianisches Erbe und Authentizität. Ihr Stil ist tief verwurzelt, ehrlich und gleichzeitig kreativ.
Ein Menü, das verzaubert
Was dann auf den Tisch kommt, ist pure Begeisterung:
Fischbouillon mit Manioc – Tacacá: cremig, herzhaft, himmlisch.
Pastéis, kleine frittierte Teigtaschen mit Rind oder Shrimps – aussen knusprig, innen saftig, mit scharfen gelben Chilis, die auf der Zunge tanzen.
Schweinsrippen mit Bohnensauce – ein Teil der legendären Feijoada, dem brasilianischen Bohnen-, Rind- und Schweinefleisch-Eintopf. Dazu Reis mit geröstetem Maniocmehl, das an sizilianisches Paniermehl erinnert, Tiefe verleiht und fast wie Parmesan schmeckt.
Zum Dessert: ein Kokos-Cheesecake und eine kalte Amazonas-Frucht-Crème, ähnlich einer reifen Kaki – süss, samtig, exotisch.
Die Atmosphäre? Laut, lebendig, echt. Mara Salles steht mitten im Geschehen, lacht, kocht, umarmt Gäste. Seit 35 Jahren lebt sie ihre Leidenschaft, prägt die brasilianische Küche – eine wahre Pionierin und Inspiration für jeden Koch.
Abends im Metzi – Mexiko mit dem besten aus Brasilien
Am Abend folgt das nächste Highlight: Metzi, eine Empfehlung des Hotel-Concierge. Mexikanische Küche trifft brasilianische Zutaten – eine gewagte, aufregende Kombination, die sofort neugierig macht.
Der erste Bissen? Ceviche. So intensiv, fruchtig, scharf, säuerlich – ich nehme einen Löffel, und boom! – Geschmacksexplosion. Das war keine Vorspeise, das war eine Offenbarung!
Die Hauptgänge bleiben spannend und harmonisch: Tortillas mit kräftigen Füllungen Rind mit Okra und Koriander – fein abgestimmt, balanciert, rund. Crevette mit Tomatenhummersauce – cremig, aromatisch, einfach umwerfend. Zum Abschluss: Desserts mit Amazonas-Früchten – Guave, Maracuja, Kochbanane. Schwer, süss, exotisch – ein würdiger Abschluss eines kulinarischen Feuerwerks.
Maní – Wo SaoPaulo den Geschmack der Leichtigkeit feiert
Der letzte Tag – und mein letztes Essen in Brasilien – führen mich zu einer der bekanntesten Köchinnen des Landes: Helena Rizzo. Ihr Restaurant Maní in São Paulo, 2006 gegründet, gilt längst als kulinarische Institution. Schon beim Betreten spürt man, dass dieser Ort etwas Besonderes ist. Das Lokal ist restlos ausgebucht, eine Schlange wartet geduldig vor der Tür – doch dank meiner Reservierung darf ich direkt eintreten.
Das Ambiente lebendig, warm, elegant, aber zugleich locker. Der Service aufmerksam, freundlich, englischsprechend – genau so, wie man es sich wünscht, wenn ein grosses Menü bevorsteht.
Der Auftakt
Gleich zu Beginn kamen riesige Maniok-Cracker an den Tisch – warm, knusprig, leicht salzig. Dazu ein Glas Schaumwein aus Brasilien: Blanc de Blancs vom Weingut Geisse, hergestellt nach der traditionellen Champagnermethode. Das Weingut liegt in der Serra Gaúcha im Süden Brasiliens und gilt dank des chilenischen Önologen Mario Geisse als Pionier für Premium-Schaumweine des Landes. Die Höhenlage verleiht den Weinen Frische und Tiefe – und dieser Blanc de Blancs aus 100 % Chardonnay war schlicht beeindruckend. Ich war so begeistert, dass ich noch während des Essens versuchte, 150 Flaschen in die Schweiz zu importieren. Euphorie pur.
Das Menü
Der erste Gang: Zwiebeln in verschiedenen Texturen – als Schaum, als Julienne, kombiniert mit knackigem Gemüse und einem Löffel Kaviar. Dann geräucherte Rande mit Foie Gras, erdig und tief im Geschmack.
Es folgte ein Gericht mit grünem Kürbis oder Zucchetti, zart kombiniert mit Muscheln in Weissweinsosse – leicht, elegant, mit feinem Meeraroma.
Dann kam der Höhepunkt: ein Stück weisser Fisch, perfekt gebraten, lackiert mit einer schwarzen Mole, begleitet von Okra, Kräutern, grünem Öl und einer intensiven Fischsosse. Einer der besten Fische, die ich je gegessen habe – saftig, aromatisch, ein echter Wow-Moment.
Kurz darauf: Flusskrebse in einer Curry-ähnlichen Sauce, fast wie ein Massaman Curry – mit Erdnüssen, Kräutern, Gemüse, fruchtig-säuerlich und mit schöner Schärfe. Ich hätte gerne noch einen Nachschlag gehabt. Der Hauptgang: Rind mit Bohnen-Cassoulet – solide, perfekt gegart, aber nach den vorherigen Highlights etwas ruhiger. Zum Schluss die Desserts: Reismilch mit Amazonasfrüchten, ein Cracker, der an Weihnachtsgebäck erinnerte, und Trauben mit Hibiskus – ein feiner, harmonischer Abschluss.
Fazit
Maní ist ein Ort, an dem Geschmack, Stimmung und Menschlichkeit zusammenfinden. Die Küche ist kreativ, aber nicht überkonstruiert. Der Service herzlich, der Vibe authentisch. Ich habe mich sogar noch mit dem Küchenchef länger unterhalten – ein inspirierendes Gespräch über Genuss und Leidenschaft.
Ein unvergessliches Menü, das Spass macht, bewegt und lange in Erinnerung bleibt.
Wenn ich wieder in São Paulo bin – Maní steht ganz oben auf meiner Liste.
ZURÜCK NACH HAUSE, VOLL IDEEN UND INSPIRATION
Mit dem Nachtflug geht es direkt zurück nach Zürich. Hinter mir liegen Tage voller Geschmack, Begegnungen und Eindrücke – São Paulo war eine echte Inspiration.
Ein grosser Teil des neuen Menüs ist in diesen Momenten entstanden, zwischen Märkten, Restaurants und Gesprächen mit Köchinnen und Köchen, die mit Herzblut und Neugier arbeiten.
Jetzt freue ich mich darauf, all diese Ideen in der heimischen Küche weiterzuentwickeln, zu testen und zu verfeinern – Schritt für Schritt, bis aus Eindrücken Gerichte werden.
„Cuisine Voyage São Paulo“ ist das Eröffnungsmenü im MYLE. Buchbar ab dem 3. März 2026
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